Stellungnahme zum Gesetzesentwurf der Mittelschule

Der österreichische Verband der Elternvereine an den öffentlichen Pflichtschulen als Dachverband, der oberösterreichische und der niederösterreichische Landesverband der Elternvereine haben an das BMUKK, zH Frau Unterrichtsministerin Dr. Claudia Schmied, Stellungnahmen zum von mir in einem früheren Blog erwähnten Gesetzesentwurf für (neue) Mittelschulen gesendet. Hier einige Auszüge, die zeigen, dass auch die Eltern der Einführung einer neuen Regelschule – so wie sie vom BM „durchdacht“ ist – skeptisch und kritisch gegenüberstehen: 

Das Ausgliedern der Gegenstände Latein/eine weitere Lebende Fremdsprache, Geometrisches Zeichnen sowie Ernährung und Haushalt in sogenannte Schwerpunktsetzungen erachten wir, wenn Qualitätsverbesserung das Ziel des neuen Schultyps sein soll, nicht für zielführend. Die Früchte der aktuellen Zielsetzungen des Gegenstands Ernährung und Haushalt, aber auch Fremdsprachen und Geometrische Zeichnen müssen allen SchülerInnen, unabhängig vom Schwerpunkt einer Schule in
Form von Pflichtgegenständen zugänglich sein.
Die Beurteilungsregeln erscheinen uns mehr als unklar und müssen daher präzisiert werden. Es darf bei Bewerbungen der AbsolventInnen der Neuen Mittelschule an Höheren Schulen zu keinen Diskriminierungen kommen, weil durch unklare Regeln der Wert der Noten in Zweifel gezogen werden kann.

[…]

Grundsätzlich ist zu bemängeln, dass zum Vorteil der NMS nicht nur Gelder von anderenSchulformen verschoben werden, sondern auch andere
Benachteiligungen erkennbar sind.
Es sind auch keinerlei Verbesserung von Elternrechten (mehr Mitsprache bei Direktorenernennung, stärkere Einbindung in den Schulalltag…) erkennbar. Es gehört endlich eine klare und einheitliche Abgrenzung der Zuständigkeiten Bund-Länder geschaffen. Was auch nicht gefällt, ist, dass der Pflichtgegenstand Ernährung und Haushalt im Gesetzesentwurf für die Neue Mittelschule nur mehr als alternativer Pflichtgegenstand bei ökonomischer und lebenskundlicher Schwerpunktsetzung aufscheint, und das angesichts wachsender gesundheitlicher Probleme bei Kindern und Jugendlichen, die ihren Ursprung in der (falschen) Ernährung haben.

[…]

Im Detail offen bleibt im Entwurf die Frage, was grundlegende oder vertiefende Allgemeinbildung bedeutet. Welche Richtlinien liegen hier zu Grunde, nach was wird
beurteilt? Hier ist ein zu großer Spielraum gegeben, der die Qualität der Beurteilung abhängig von wenig objektivierbaren Entscheidungen der jeweiligen Schule macht.

[…]

Die Einführung der NMS als Regelschule darf sich nicht auf das Änderung der Schulbezeichnung beschränken, die aktuelle Zielsetzung des Entwurfs ist aus unserer Sicht zu kurz
gegriffen. Das in Wien umgesetzte Modell Wiener Mittelschule ist konkreter, qualitätsvoller und umfassender. Das einzig Gute am Modell NMS wäre, dass es mehr Stundenkontingente als für die Hauptschule gibt (bleibt die Frage wie lange die finanziert werden können und ob es genug Personal gibt). Mit einer Verflechtung mit den AHSen hat das Modell NMS leider kaum etwas zu tun.

Die geänderten Übertrittsbestimmungen verunsichern; wahrscheinlich weil viele Eltern die Situation in der Familie miterleben. Beispiel: SchülerInnen sind in der KMS 4. Klasse KMS in D und E in der 1. LG, in Mathe in der zweiten Leistungsgruppe. Notenmäßig steht er in M zw. 2 und 3. Eine Schularbeit wird über die Wahl zwischen Lehre und BHS entscheiden! Wenn es tatsächlich nur mehr zwei Unterscheidungsmerkmale gibt (vertiefend oder grundlegend) statt der drei Leistungsgruppen ist dies eine unzumutbare Verschärfung. Die Kinder müssen alle differenzierten Fächer in der vertiefenden Form schaffen. Bei einer Leistungsschwäche in z.B. Mathe könnte man die Höhere Schule schon vorweg abschreiben. Eltern werden sich (wenn sie das System durchschaut haben) gegen die NMS entscheiden und ihr Kind mit Druck in die AHS oder WMS reinbringen wollen. Die Situation wird sich dadurch noch verschlechtern, die NMS wird in Wien zur Restschule, WMS und AHS werden immer attraktiver.

[…]

Die Klassenschülerhöchstzahl darf 25 nicht überschreiten. Richtwert ist durch Höchstzahl zu ersetzen.

[…]

Bei der Leistungsbeschreibung darf nicht ausschließlich das Portfolio Anwendungfinden sondern auch noch die Möglichkeit einer differenzierten Leistungsbeschreibung in Aussicht gestellt werden.

[…]

generell fällt auf, dass es nicht unbedingt einer neuen „Schulform“ bedarf um neue „Unterrichtsmethoden“ (Begabungsförderung, Teamteaching, Förderkurse, etc) einzuführen oder zusätzliche Werteinheiten zur Verfügung zu stellen

[…]

die Erläuterung der Kosten, wonach der Entwurf per se keine finanziellen Auswirkungen hat, ist nicht nachvollziehbar, da ja mehr Ressourcen zur Verfügung gestellt werden MÜSSEN und nicht nur einfach passieren.

Die gesamte Stellungnahme findest du hier.

Man merkt, es gibt viel Skepsis und Kritik nicht nur auf Seiten der LehrerInnen, DirektorInnen, und ExpertInnen, sondern auch – und das ist auch gut so – auf Seiten der Eltern! Meiner Meinung nach muss sich Frau BM Schmied nun wirklich Gedanken machen, wie sie bestmöglich ihr Konzept ändert. Man darf gespannt sein, was das neue Jahr an Neuerungen, Änderungen und damit einher gehend auch Kosten bringt…

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: