54 Millionen Euro für die Bürokratie … oder: gleich ist nicht gleich

Zwei Jahre lag die Verordnung zur Nachgraduierung von PflichtschullehrerInnen bei Frau BM Schmied, nun traf sie eine Entscheidung, die mit 1.11. in Kraft treten sollte, zur Zeit aber noch in Begutachtung ist.Zur Erklärung: die jüngere Generation von Pflichtschullehrern absolvierte eine Pädagogische Akademie, studierte dort 6 Semester, schrieb Klausuren und  eine abschließende Diplomarbeit, die im Rahmen einer Defensio verteidigt wurde. Mit der Änderung des Hochschulgesetzes von 2005 wurden die ehem. PÄDAKs in Pädagogische Hochschulen umgewandelt. Neuer Name, gleiches Studium, anderer Abschluss: nach genau derselben Anzahl von ECTS-Punkten (180) schreibt man nun keine Diplomarbeit und zusätzlich Klausuren, sondern alleine eine Bachelorarbeit und schließt mit dem BEd ab.

Nun schloss der Autor dieser Zeilen im Jahr 2000 eine Pädak als Dipl.-Päd. (einem sehr vielsagenden Titel…) ab. Schon damals gab es die Möglichkeit, dass „ältere“ KollegInnen den Titel „nachkaufen“ – ohne zusätzlichen Aufwand.  Aber Frau BM Schmied scheint eine andere tolle Idee zu haben: Falls ein Dipl.-Päd. einen BEd-Titel haben will (beide Titel sind ja laut ECTS-Modell identisch), soll er/sie halt einfach ein Semester lang ein Zusatzstudium machen und anschließend eine Bachelorarbeit schreiben und verteidigen. Statt der üblichen Bearbeitungsgebühren kostet diese Nachgraduierung etwa € 775,-! Dies bringt bei 70.000 betroffenen Lehrern etwa € 54.000.000,- für die Bürokratie…

Ich sehe persönlich nicht ein, warum ich für eine Leistung, die ich bereits vor Jahren in gleichem Maße (!) erbracht habe, nochmal Zeit und Geld investieren muss, um auf die gleiche Stufe wie (dienst-)jüngere KollegInnen gestellt zu werden, die nur ein paar Jahre später ihren Abschluss machten.
Gottseidank wurde mir von der FernUniversität in Hagen, an der ich zur Zeit ein Masterstudium absolviere, der Dipl.-Päd. mit seinen 180 ECTS-Punkten voll als Bachelorstudium angerechnet und ich durfte ohne Zusatzlehrgang/-leistungen in das Masterstudium starten. Was dort (in Deutschland) sehr einfach und unbürokratisch bestätigt wurde, dürfte in unserem Staate ein großes Problem sein…

Weiterführende Links:
http://derstandard.at/1348285016435/PaedAk-Absolventen-koennen-sich-leichter-zu-Bachelor-upgraden
http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/ME/ME_00134_35/fname_183156.pdf (Stellungnahme des LSR NÖ zur Änderung des Bundesgesetzes 2005 – hat leider nix genützt…)

Dieser Artikel basiert auf einem Artikel von Fr. LABG Claudia Wolf-Schöffmann im aps-Magazin 5/2012 (S. 18-20)

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